Wer die Schweiz auf zwei Rädern von Süd nach Nord durchqueren will, landet fast zwangsläufig bei der Verbindung von Rhone-Route und Rhein-Route. Beide offiziellen Veloland-Routen treffen sich in Andermatt, dem Wasserscheide-Ort zwischen Wallis und Graubünden. Von dort führt der Weg über den Furkapass ins Rhonetal oder über den Oberalppass ins Quellgebiet des Rheins – je nach Startrichtung ergibt sich eine mehrtägige Tour mit alpinem Auftakt und flachem Ausklang entlang des Rheins bis Basel.
Das Wichtigste kurz zusammengefasst:
- Gesamtdistanz: Rund 550 Kilometer, wenn Rhone-Route (320 km, Andermatt–Genf) und der Abschnitt Bodensee–Basel der Rhein-Route (243 km) kombiniert werden.
- Knotenpunkt: Andermatt (1435 m) verbindet über Furkapass und Oberalppass beide Flusstäler.
- Höhenprofil: Alpiner Start mit Pässen über 2000 m, danach überwiegend flaches bis leicht welliges Terrain.
- Dauer: Erfahrene Tourenfahrer planen 7 bis 10 Tagesetappen, gemütlichere Varianten benötigen bis zu zwei Wochen.
Wie sich die Strecke von der Rhone bis nach Basel zusammensetzt
Die Rhone-Route beginnt in Andermatt und überquert zunächst den Furkapass, bevor sie sich ins Oberwallis fallen lässt. Von dort schlängelt sie sich auf ruhigen Nebenwegen durch das gesamte Wallis, passiert die Weinterrassen von Lavaux und La Côte und endet nach 320 Kilometern in Genf. Für eine Fahrt Richtung Basel wählen die meisten Radler jedoch die Gegenrichtung: Start im Wallis, Anstieg über den Furkapass zurück nach Andermatt, anschließend Wechsel auf die Rhein-Route über den Oberalppass. Diese Streckenführung nutzt die Tallage der Rhone als sanften Einstieg, bevor der eigentliche Höhenmeterblock der Reise ansteht. Wichtig ist dabei die Reihenfolge: Wer den Furkapass in Richtung Andermatt fährt, hat die anspruchsvollere Rampe bereits am ersten oder zweiten Tag hinter sich, während der restliche Weg überwiegend bergab oder eben verläuft.
Etappenplanung und Höhenprofil im Detail
Zwischen dem Rhonetal und Basel wechseln sich alpine Passagen mit flachen Flusstälern ab, was die Tagesplanung deutlich beeinflusst. Im Oberwallis und rund um Andermatt liegen die stärksten Steigungen der gesamten Tour, teils mit über 1000 Höhenmetern an einem einzigen Tag. Sobald die Route bei Chur oder Sargans in Richtung Bodensee abfällt, sinkt die tägliche Höhendifferenz spürbar, und ab Schaffhausen dominiert reine Flussradweg-Fahrt mit minimaler Steigung. Wer die Etappen zu ambitioniert plant, unterschätzt regelmäßig die Kombination aus Passhöhe und Tagesdistanz im ersten Streckenabschnitt – ein Fehler, der sich meist erst am zweiten Tag in Form von Muskelkater und Zeitverzug bemerkbar macht. Realistisch sind 60 bis 90 Kilometer pro Tag im Gebirgsteil und bis zu 120 Kilometer auf den flachen Etappen entlang des Rheins.
| Abschnitt | Distanz (ca.) | Charakter |
|---|---|---|
| Rhonetal bis Andermatt | 140 km | Alpin, Furkapass 2429 m |
| Andermatt bis Chur | 90 km | Oberalppass 2044 m, danach Talfahrt |
| Chur bis Bodensee | 100 km | Flach, Rheintal |
| Bodensee bis Schaffhausen | 60 km | Flach, Rheinfall |
| Schaffhausen bis Basel | 130 km | Flach, Aargau, Stadtnähe |
Praktische Punkte für eine Radwanderung entlang von Rhone und Rhein
Vor dem Start lohnt sich ein Blick auf Details, die in Routenbeschreibungen selten auftauchen, aber über den Komfort der Fahrt entscheiden. Besonders die Passüberquerungen verlangen eine realistische Einschätzung der eigenen Kondition und des Gepäcks.
- Wetterpuffer für die Pässe: Furka- und Oberalppass können auch im Frühsommer noch Restschnee oder Sperrungen aufweisen; ein flexibler Tag als Reserve verhindert Zeitdruck.
- Bahntransport als Alternative: Bei schlechtem Wetter oder Erschöpfung lassen sich Andermatt und die Passregion bequem per Zug umfahren, da die Furka-Oberalp-Bahn Fahrräder mitnimmt.
- Wasserflaschen und Verpflegung: Im alpinen Streckenteil liegen Einkehrmöglichkeiten oft 20 bis 30 Kilometer auseinander, während entlang des Rheins deutlich dichter versorgt wird.
- Reifenwahl: Ein robuster Trekkingreifen mit Pannenschutz zahlt sich auf den geschotterten Abschnitten im Wallis aus, auf den durchgehend asphaltierten Rheinwegen ist er weniger entscheidend.
- Gepäckverteilung: Wer schwere Satteltaschen erst ab Andermatt aufnimmt, indem er Ausrüstung vorausschickt, reduziert das Gewicht für den anspruchsvollsten Streckenabschnitt spürbar.
- Übernachtungsdichte: In den Walliser Bergdörfern sind Unterkünfte in der Hochsaison oft Wochen im Voraus ausgebucht, während entlang des Rheins meist kurzfristig noch Zimmer verfügbar sind.
- Beschilderung: Beide Routen sind durchgehend mit den Veloland-Nummern ausgeschildert, an der Nahtstelle Andermatt ist jedoch auf den Wechsel der Routennummer zu achten, um nicht versehentlich der falschen Flussrichtung zu folgen.

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Von Genf Richtung Basel: Anreise, Rückreise und Etappenlogistik
Die meisten Radwanderer reisen mit dem Zug an, da sowohl das Wallis als auch Basel gut ans Schweizer Bahnnetz angebunden sind. Fahrräder können in den meisten Regionalzügen ohne Reservierung mitgenommen werden, in Schnellzügen ist dagegen häufig eine Platzreservierung für das Rad Pflicht. Für die Rückreise ab Basel bietet sich die direkte Bahnverbindung zurück ins Wallis an, die je nach Anschluss zwischen drei und vier Stunden dauert. Eine Zwischenübernachtung in Andermatt empfiehlt sich nicht nur wegen der Höhenlage, sondern auch, weil der Ort als Knotenpunkt beider Routen zusätzliche Verpflegungsstationen und Fahrradwerkstätten bietet, die im weiteren Streckenverlauf seltener werden.
Ausrüstung und häufige Fehler bei der Streckenplanung
Neben der reinen Streckenkenntnis entscheidet die Ausrüstung darüber, ob die Tour angenehm oder anstrengend verläuft. Viele Planungsfehler entstehen dadurch, dass die Tagesdistanzen unabhängig vom Höhenprofil festgelegt werden, obwohl gerade die ersten Etappen im Wallis deutlich mehr Zeit beanspruchen als reine Flachstrecken.
- Zu wenig Pufferzeit für Pässe: Eine Pass-Etappe sollte nie als letzte Tagesstrecke vor einem fixen Bahntermin geplant werden, da Wetterumschwünge im Hochgebirge kurzfristig auftreten.
- Fehlende Ersatzteile: Speziell zwischen den Bergdörfern im Oberwallis gibt es keine durchgehende Fahrradwerkstatt-Dichte, weshalb Flickzeug, Ersatzschlauch und ein Multitool zur Grundausstattung gehören.
- Falsche Reifenwahl für Schotterabschnitte: Schmale Rennradreifen erhöhen auf den naturbelassenen Wegabschnitten im Wallis das Sturzrisiko erheblich.
- Unterschätzte Sonnenexposition: Auf den offenen Passstraßen fehlt Schatten fast vollständig, ein hoher Lichtschutzfaktor und ausreichend Trinkwasser sind daher Pflicht.
- Zu spätes Losfahren an Passtagen: Wer erst am späten Vormittag startet, gerät auf dem Furka- oder Oberalppass leicht in Nachmittagsgewitter, die im Sommer typisch für die Region sind.
- Ungenaue Kartengrundlage: Digitale Navigation sollte durch eine physische Karte ergänzt werden, da GPS-Empfang in engen Tälern und Tunnelabschnitten zeitweise ausfällt.
- Vernachlässigte Bremsenkontrolle: Lange, steile Abfahrten wie hinter dem Furkapass beanspruchen die Bremsen stark, eine Kontrolle vor der Abfahrt verhindert Materialversagen.
Häufige Fragen zum Thema (FAQ)
Wie viele Tage sollte man für die gesamte Strecke einplanen?
Für die komplette Verbindung zwischen Rhonetal und Basel benötigen konditionsstarke Radfahrer etwa sieben bis acht Tage. Wer die Pässe entspannter angehen und mehr Pausen einlegen möchte, plant realistisch zehn bis zwölf Tage ein. Die genaue Dauer hängt stark vom gewählten Startpunkt im Wallis und vom individuellen Tempo ab.
Ist die Strecke auch mit einem E-Bike machbar?
Ja, gerade die Passüberquerungen bei Furka und Oberalp profitieren von der zusätzlichen Unterstützung eines E-Bikes. Zu beachten ist allerdings die Akkureichweite, da Ladestationen in den Bergdörfern nicht flächendeckend vorhanden sind. Auf den flachen Rheinabschnitten spielt der Akku dagegen kaum eine Rolle.
Welche Jahreszeit eignet sich am besten?
Die Monate Juni bis September gelten als zuverlässigste Zeit, da die Alpenpässe dann in der Regel schneefrei sind. Im Frühsommer sollte die aktuelle Passöffnung vorab geprüft werden, da Restschnee die Strecke zeitweise unpassierbar machen kann. Der Herbst bietet oft stabiles Wetter, allerdings kürzere Tageslichtzeiten.
Kann man Teilabschnitte auch einzeln fahren?
Ja, beide Routen sind offiziell ausgeschildert und lassen sich problemlos in einzelne Tagesausflüge oder Wochenendtouren aufteilen. Besonders der flache Abschnitt zwischen Bodensee und Basel eignet sich für Einsteiger, während der alpine Teil im Wallis erfahreneren Radlern vorbehalten bleibt. Bahnhöfe entlang der Strecke ermöglichen einen unkomplizierten Ein- und Ausstieg.
Fazit
Die Verbindung von Rhonetal und Basel vereint zwei Landschaftstypen in einer Tour: alpine Pässe im Süden, ruhige Flusswege im Norden. Wer die Etappen realistisch plant, Pufferzeiten für Wetter und Pässe einrechnet und die Ausrüstung an die wechselnden Bedingungen anpasst, erlebt eine der abwechslungsreichsten Radwanderungen der Schweiz.